ZÜRITIPP / Tages Anzeiger

AB IN DEN SÜDEN

Von Daniel Böniger - ZÜRITIPP / Tages Anzeiger

18.02.2015

Dank hausgemachten Tapas und Mezze fühlt man sich hier wie am Mittelmeer. Auch die täglich wechselnden Pastagerichte sind eine Sünde Wert.

Man solle beides dürfen: «Nur ein Glas trinken, aber auch ein ganzes Abendessen hier geniessen», sagt Madeleine Speck. Die Köchin hat zusammen mit ihrem Partner Marco Fazzone vor ein paar Wochen das Sali e Tabacchi im Kreis 3 eröffnet. Ein gemütliches, einfach eingerichtetes Ecklokal mit rund 30 Sitzplätzen und ein paar Barhockern.

Wie ernst es Speck mit der Kocherei ist, dafür steht nicht zuletzt das Messer, das sie auf den? Unterarm tätowiert hat. Ebenso die Tatsache, dass sie mit dabei war, als vor ein paar Jahren das Piccolo Giardino im Kreis 4 wieder auf die Landkarte der besuchenswerten Gastlokale zurückgeholt wurde. Und natürlich belegen nicht zuletzt die paar Kleinigkeiten und Spezialitäten, die im Sali e Tabacchi auf der Speisekarte stehen, dass die Chefin mit viel Herz arbeitet. Ihre Gerichte stammen aus Süd­europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Kurzum: Es sind allesamt Köstlichkeiten, die im wahrsten Sinne des Wortes der mediterranen ­Küche zuzuordnen sind.

Gut fährt man als Gast mit einem gemischten Vorspeisenteller (20 Fr.). Da sind gleich ein paar Spezialitäten versammelt, die Madeleine Speck in aller Regel vor Ort zubereitet: So legt sie Sardinen selbst in Zitrone ein («das ist ein libanesisches, kein spanisches Rezept, wie viele meinen»). Sie macht Hummus selber («so habe ich das in Jordanien gelernt»). Auch die Oliven mariniert sie im Haus («ich habe eine Heilkräuter-Ausbildung, den Oregano zum Würzen der Oliven sammle ich in Italien selbst»). Der Pecorino und der Rohschinken, die ebenfalls zum Plättchen gehören, kommen aus Apulien, also vom Absatz des italienischen Stiefels.

Bei aller Freude an diesen grossartigen Kleinigkeiten: Man sollte im Magen ein wenig Platz lassen, um auch den Hauptspeisen eine Chance zu geben. Beim ausnahmsweise nicht ganz anonymen Besuch handelt es sich bei diesen um Spaghetti mit Spinat, Frischkäse, Baumnüssen und Birne (21.50 Fr.) auf der einen und eine Tajine vom Rind auf würzigem Damaszener Reis mit leicht süsslicher Sauce (32.50 Fr.) auf der anderen Seite. Solide und ehrliche Kost ist das! Das Pasta-Angebot soll im Sali e Tabacchi übrigens jeden Abend ändern, sagt die Köchin. Hat Speck denn keinen Bammel davor, dass ihr irgendwann einmal die Ideen ausgehen könnten? «Ich kann da aus meinem Fundus schöpfen», antwortet sie. «Und sonst gibt es ja auch noch verlässliche Nachschlagewerke.»